„Nein” zu sagen beziehungsweise Grenzen zu setzen, fällt uns nicht immer leicht – egal, ob gegenüber Fremden, gegenüber unserem Partner oder unserem Kind. Auch wenn wir eigentlich „Nein” denken, sagen wir in der jeweiligen Situation vielleicht doch eher „Ja”. Weil wir zu häufig nicht auf unser Bauchgefühl hören und weil Grenzüberschreitungen, die wir in unserer eigenen Kindheit erfahren mussten, uns noch immer beeinflussen. Wenn wir Entscheidungen treffen, spielt im Hintergrund eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle: unter anderem unsere eigene Sozialisierung, der Kulturkreis, in dem wir aufgewachsen sind, und unser aktuelles Umfeld – natürlich auch die Gefühle, die die Situation in uns auslöst. Jeder von uns hat sich im Laufe seiner Entwicklung sein ganz persönliches Bewertungssystem zugelegt.Häufig achten wir im Familienalltag nicht gut genug auf unsere persönlichen Grenzen – oder übertreten die unserer Liebsten. Und tun uns allen damit keinen Gefallen. Denn „Nein” sagen können, ist so gut und wichtig. Das sollten wir auch unseren Kindern unbedingt vorleben.In dieser Folge des Mückenelefant-Podcasts geht es um die eigenen Grenzen von Eltern und Kindern – und darum, wie man lernen kann „angemessen nein zu sagen”.

„Wo liegt das Problem? Dein Bruder kann das doch auch ...” „Schau mal, wie deine Schwester das macht ...” Wenn Kinder solche Aussagen von ihren Eltern oder Lehrern hören, löst dies in ihnen jede Menge negative Gefühle aus. Vergleiche führen zu Leistungsdruck und können einen ordentlichen Geschwisterkampf entfachen. Außerdem geben sie Kindern das traurige Gefühl, so wie sie sind, nicht (gut) genug zu sein. Dabei ist jeder Mensch von Geburt an gut genug – jeder mit seinen eigenen Charakterzügen, eigenen Stärken und Schwächen.

Gute Gefühle, schlechte Gefühle – in diesen Kategorien zu denken, wurde den meisten von uns von klein auf beigebracht. Viele von uns haben noch von ihren Eltern gelernt, die sogenannten „bösen Emotionen” wie Wut oder Angst zu unterdrücken. Doch gibt es sie wirklich, diese falschen oder schlechten Gefühle? Oder sind nicht alle Gefühle irgendwie „richtig“? Eines ist jedenfalls unstrittig: Unsere Emotionen können eine ganze Herde von Mückenelefanten zusammentrommeln und unser Zusammenleben als Familie immer wieder auf den Kopf stellen …

Eifersucht ist ein Gefühl, das unter Geschwisterkindern ziemlich verbreitet ist. Selbst Geschwister, die sich eigentlich nahestehen und mögen, fühlen sie sich in manchen Situationen von den Eltern benachteiligt, vernachlässigt oder sogar weniger geliebt als ihr Bruder oder ihre Schwester. Bereits mit der Geburt eines Geschwisterkindes geht der „Konkurrenzkampf” um Mamas und Papas Aufmerksamkeit los, der sogar weit über die Pubertät hinaus anhalten kann. Eltern fühlen sich häufig innerlich zerrissen und empfinden einen großen Druck, jedes seiner Kinder genau gleich zu behandeln. Doch seien wir mal ehrlich – wer schafft das schon?! Und ist das überhaupt sinnvoll und erstrebenswert?

Ein Kleinkind kann seine Eltern doch nicht ernsthaft so provozieren, dass ihnen „die Hutschnur platzt” – oder doch?! Wenn wir mal ganz ehrlich sind, wird nahezu jeder Elternteil in unentspannten Zeiten schon einmal an einen Punkt gekommen sein, bei dem er sich wirklich „beherrschen” musste, weil der Wutanfall seines Kindes jede Menge unangenehme Gefühle bei ihm ausgelöst hat. Gefühlte tausend Mal hatte man es doch schon besprochen und ausdiskutiert – und jetzt trödelt es wieder nur rum, obwohl man selbst ganz dringend zur Arbeit muss. Es schreit und wütet, weil das Puzzle einfach nicht bis zum Nachmittag warten kann. Nicht selten begleitet von Hauen oder Kratzen, wenn Mama oder Papa sich schließlich „durchsetzen”, das Kind gegen seinen Willen anziehen und in die Kita bringen. Manchmal könnte man … Stopp! Genau an diesem Punkt setze ich mit der heutigen Podcast-Folge an.

„Bei Papa darf ich das aber.” und „Mama macht das aber immer anders.” – Sätze wie diese kommen vermutlich den meisten Eltern bekannt vor. Denn in kaum einer Familie herrscht bei Mama und Papa absolute Einigkeit in Bezug auf die Kindererziehung. Schließlich handelt es sich um zwei eigenständige Personen, die zudem auch noch von Erfahrungen aus ihrer Kindheit geprägt worden sind. Auch wenn man als Eltern grundsätzlich „am selben Strang zieht”, kann es im alltäglichen Umgang mit dem Nachwuchs ziemlich unterschiedliche Regeln geben. Doch ist das für unsere Kinder eigentlich schlimm?!

Da wird getobt, gestampft und gebrüllt – nicht selten begleitet von einem „Du blöde Mama!“ oder einem „Ich hasse dich!“. Wenn unsere Kinder wütend werden, fällt es uns Eltern häufig schwer, gelassen zu bleiben. Denn in unserer Gesellschaft werden öffentlich ausgelebte Gefühle nicht gerne gesehen – über Jahrzehnte hinweg haben viele von uns gelernt, dass Emotionen „nicht gut sind“ und sind auf diese Weise wahre Meister der unterdrückten Gefühle geworden. Kein Wunder also, dass uns das Verständnis für die Wutausbrüche unserer Kinder irgendwie abhandengekommen ist, oder?! …

Smartphone, Tablet, PC und Spielekonsole sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Soziale Medien wie Facebook, YouTube und Instagram spielen auch im Leben unserer Kinder eine zunehmende Rolle. Als Eltern fühlen wir uns verantwortlich dafür, wie unsere Kinder mit diesen Medien umgehen, stellen Regeln auf und kontrollieren sie. Das alles birgt eine Menge Mückenelefanten-Potenzial – denn nur weil wir der Meinung sind, es sei nun aber wirklich mal genug, heißt das noch lange nicht, dass unsere Kinder das genauso sehen …

Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Die Abscheulichkeit körperlicher Gewalt ist absolut indiskutabel – dennoch schleichen sich in vielen Familien andere Formen von „Gewalt“ häufig unbemerkt in den Alltag ein. „Wenn du deinen Teller nicht leer isst, bekommst du keinen Nachtisch.“ „Ohne Mütze gehst du nicht vor die Tür!“ „Räum endlich dein Zimmer auf, sonst gehen wir heute nicht auf den Spielplatz!“… Als Eltern sitzen wir eindeutig am längeren Hebel, und gerade in Stresssituationen mutieren wir dadurch gelegentlich zu regelrechten Eseltreibern. Da viele von uns selbst so großgeworden sind und Einschränkungen unserer Persönlichkeitsrechte wie auch Manipulation bereits früh kennengelernt haben, fällt uns häufig gar nicht auf, wie übergriffig wir uns gegenüber unseren Kindern manchmal verhalten …

Wenn wir Eltern werden, verändert sich unsere Welt. Da haben wir plötzlich eine riesige Verantwortung diesen kleinen Menschen gegenüber, wollen alles richtig machen – und finden uns gleichzeitig im Dschungel unerbetener Ratschläge Dritter wieder. Manche übergriffigen Kommentare machen uns einfach nur wütend, andere Anmerkungen verunsichern uns – und unser Bauchgefühl, das uns unser bisheriges Leben lang begleitet hat, scheint uns plötzlich im Stich gelassen zu haben …

Als Eltern ist es unser Job, unsere Kinder auf das Leben vorzubereiten. Sie bedingungslos zu lieben und einen guten und sicheren Rahmen zu schaffen, in dem sie sich zu starken Persönlichkeiten entwickeln können. Auf dem Weg dorthin können wir Durststrecken erleben, uns kann alles über den Kopf wachsen, wir können beginnen, an uns zu zweifeln. Weil wir den Blick aufs Wesentliche verlieren, weil wir uns durch äußere Einflüsse in unserer Erziehung verunsichern lassen, weil wir zu hohe Ansprüche an uns selbst stellen und perfekt sein wollen …